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Massen bewegen Massen für Cottbuser Ostsee

10.07.2017
from Sonja Reimann
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Großgeräteflotte löst, lädt, transportiert und verbaut 17 Millionen Kubikmeter Boden auf Europas größter Erdbaustelle

Beladen werden die Dumper von großen Kettenbaggern, wie den Cat 374FL, Cat 374DL, 352F und 349EL.

 

Besichtigung vor Ort mit Oberschachtmeister Gerhard Mötzung von Bickhardt Bau, Zeppelin Niederlassungsleiter Stefan Lanio, Jens Groschischka, verantwortlicher Mitarbeiter bei Manfred Hoffmann, Barbara Hoffmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Manfred Hoffmann, und Zeppelin Vertriebsdirektor Kay-Achim Ziemann (von links).

 

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Bauleiter Michael Schmidt und Oberschachtmeister Gerhard Mötzung von Bickhardt Bau besprechen mit Barbara Hoffmann, Mitglied der Geschäftsleitung, und Jens Groschischka, verantwortlicher Mitarbeiter, bei Manfred Hoffmann, den Maschineneinsatz auf Europas größter Erdbaustelle (von links).

 

Innerhalb von einer Stunde muss die Dumperflotte über vier Zapfsäulen betankt werden.

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Rund fünf Kilometer nordöstlich von Cottbus grenzt eine Erdbaustelle an die Stadt in der Lausitz, die derzeit angesichts ihrer Dimension in ganz Europa ihresgleichen sucht. Der ehemalige Tagebau Cottbus-Nord wird zum Cottbuser Ostsee und damit zum vorerst größten Bergbaufolgesee Deutschlands umgestaltet, der von der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) mit 280 Millionen Kubikmeter Wasser – umgerechnet 1,5 Milliarden Badewannenfüllungen – in einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren, je nach Wasserangebot der Spree, geflutet wird. Für den künstlich angelegten See auf 1 900 Hektar Fläche müssen bis Ende August 2018 rund 17 Millionen Kubikmeter Boden gelöst, geladen, transportiert und wieder eingebaut werden. Da ist nicht nur eine riesige Flotte an Baumaschinen in der Massenbewegung gefordert, sondern es bedarf auch einer ausgeklügelten Baustellenlogistik. Sie erbringt die Arge Cottbus Nord, bestehend aus Bickhardt Bau AG (federführend), Bickhardt Bau Thüringen und V & C Metzner. Ihre Aufgabe: der Abtrag der Abbausektoren und die Verfüllung der Kohlebahnausfahrt. Dabei greifen sie auf eine Großgeräteflotte an 140 Mietmaschinen zurück, die das Unternehmen Manfred Hoffmann Baumaschinen Industrieservice aus Dorsten/ Schwarzheide stellt, darunter zehn Cat Raupen D8T, 13 Cat Kettenbagger vom 336 bis 374 sowie fünf Cat Dumper 730C.

„2011 haben wir beim Flughafen Kassel-Calden zusammengearbeitet und gezeigt, dass wir einen Flughafen termingerecht realisieren können“, so Bauleiter Michael Schmidt von Bickhardt Bau. Bei diesem Projekt gab es eine Wiederholung der Zusammenarbeit. „Wir haben am Anfang bei der Planung und Kalkulation viel Energie reingesteckt, um das Projekt überhaupt erst zum Laufen zu bringen. Dann ging es um die Feinjustierung. Hier wird nichts dem Zufall überlassen“, meint der Bauleiter. Als sich die bauma 2016 zu Ende neigte, stand fest, dass mit dem ausgearbeiteten Konzept die Ausschreibung gewonnen wurde. „Wir konnten dann noch auf der Messe Maschinenbestellungen, insbesondere Großbagger, wie einen Cat 374FL und mehrere 352FL, bei Zeppelin in Auftrag geben“, erinnert sich Barbara Hoffmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Manfred Hoffmann. Für dessen Baumaschinenlieferanten, die Zeppelin Niederlassung Köln, hieß das, in kurzer Zeit die Geräte zu liefern und die entsprechenden Transportgenehmigungen in die Wege zu leiten. „Die Cat Baumaschinen stammten aus Zeebrügge, wo Caterpillar sein Europa-Lager unterhält. Wir mussten uns dort wegen der geforderten Ausrüstung eng abstimmen“, so Stefan Lanio, Zeppelin Niederlassungsleiter.

Seit der Gründung in den 80er-Jahren durch Manfred und Ingrid Hoffmann, den Eltern von Barbara Hoffmann, setzt das auf die Vermietung von Großgeräten inklusive umfassendem Full-Service spezialisierte Unternehmen auf die Premium-Marke Caterpillar. Sukzessive wurde seitdem der Bestand an schweren Maschinen ausgebaut, die vor allem Industriekunden wie Eisen- und Stahlwerke, Tagebau-Stätten, Kraftwerksbetreiber, Recycling- und Baufirmen wie Bickhardt Bau beziehen. Als Schlüsselgeräte dienen Radlader, Bagger und Raupen in der 20- bis 40-Tonnen-Klasse sowie 40- bis 60-Tonnen-Muldenkipper. Hinzu kommt eine Flotte von weit über hundert Dumpern in der 30- bis 50-Tonnen-Klasse. „Auch wenn wir uns herstellerneutral aufgestellt haben, ist Caterpillar stark vertreten, was auf die langjährige, gewachsene Zusammenarbeit sowie die Kundenbetreuung und den Service durch Zeppelin zurückzuführen ist“, hebt Barbara Hoffmann hervor. Eng betreut wird einer der größten Kunden seit über 20 Jahren von Kay-Achim Ziemann, Zeppelin Vertriebsdirektor von NRW.

Um die logistischen Voraussetzungen für den Maschineneinsatz rund um den Cottbuser Ostsee zu schaffen, musste von der Arge erst die Infrastruktur inklusive Stromversorgung plus Betankung mitten im stillgelegten Tagebau geschaffen werden. Dazu wurde eine Stellfläche für die Geräte gebaut und ein Camp aus Baucontainern, Werkstätten, Tankstelle plus Kantine angelegt. Seit Mai letzten Jahres sind 50 Großbagger, Raupen, Grader, Walzen und Fräsen im Einsatz, um zunächst ein Netz aus Haupt- und Nebenbaustraßen herzustellen. Auf ihnen frequentieren immer wieder drei Wasserwagen, um der starken Staubbildung vorzubeugen. Aber auch bei Regen muss das Streckennetz befahrbar sein. Darum wurde es mit Zement befestigt. Stark befahrene Abschnitte wurden asphaltiert. Auf ihnen rollen bis zu hundert Dumper, welche die Massentransporte übernehmen. Die Fahrten der Dumper ergeben noch einen weiteren Effekt, den sich Bickhardt Bau zu nutze macht: der Untergrund wird gleich mitverdichtet.

Beladen werden die Dumper von großen Kettenbaggern, wie den Cat 374 FL, Cat 374D L, Cat 352F und 349E L. Geschachtet wird von außen nach innen. Im Fall der ehemaligen Ausfahrt der Braunkohlebahn muss ein Höhenausgleich erfolgen, um den Grubenausgang der früheren Kohlezug-Strecke zu schließen. Dabei muss so viel Material aufgeschüttet werden, dass dieser Bereich die neue Uferlinie wird und oberhalb des späteren Wasserspiegels liegt. Die Dumper sind fortwährend im Kreisverkehr unterwegs: Den Abraum bringen sie von den Kippenflächen im Zentrum in die künftige Bärenbrücker Bucht. Gewaltige Kippenmassen sind in der Innenkippe, wo bisher die Kohle gefördert wurde, abzutragen, damit daraus der Ostsee als Erholungsgebiet entsteht. Schließlich muss eine Mindestwassertiefe von zwei Metern in den sogenannten Randschläuchen entstehen, die aufgrund der Tagebautechnologie entstanden sind. Der Ostsee wird bis zu 40 Meter tief sein. Jeder Lade- und Kippstelle wurden mit farbigen Symbolen Maschinen und Dumper zugeordnet. So weiß jeder Fahrer, welche Bereiche er ansteuern muss. Haben die Dumper die Kippstelle erreicht, fahren sie diese vorwärts runter und kippen dabei bereits ab. Dann drehen sie und fahren wieder zurück. So ist es überhaupt möglich, dass eine Raupe bis zu 30 000 Kubikmeter am Tag Material einbauen kann.

Um sich die Dimension vorstellen zu können, vergleicht das ausführende Unternehmen Bickhardt Bau die Massenbewegung mit der Erweiterung der Londoner U-Bahn um 28 Kilometer – mit dem Unterschied, dass das Vorhaben in Cottbus noch größere Ausmaße vorweisen kann. Für das Unternehmen selbst ist das Projekt das größte in seiner 45-jährigen Firmengeschichte. So ein Maschineneinsatz und ein Projekt in dieser Größenordnung erfordern eine entsprechende Koordination. Bauleiter Michael Schmidt und sein Kollege Gerhard Mötzung, Oberschachtmeister bei Bickhardt Bau, haben von Anfang an die Abläufe im Blick, die sie minutengenau geplant haben. Was sie dabei antreibt: Jede Minute kostet bei diesen Massen Zeit und Geld, zumal man das auf die Masse an Geräten multiplizieren muss. So hat der Oberschachtmeister den Ladezyklus genau berechnet – mit drei gehäuften Löffeln werden die Dumper beladen. Es geht dabei um jeden Zentimeter, Kubikmeter und Tonne. Nichts davon soll unnötig oder zu viel bewegt werden. Zusammen mit Jens Groschischka, verantwortlicher Mitarbeiter bei Manfred Hoffmann auf der Baustelle in Cottbus Nord, kümmern sich Bauleiter und Oberschachtmeister um die komplette Organisation. Ihr Verständnis: „Wir sind alle Partner. Die Zusammenarbeit funktioniert seit vielen Jahren.“ Die Bewährungsprobe war die Hambachbahn – damals hätte man sich als Projektteam gefunden. „Auch im Fall des Cottbuser Ostsees haben wir wieder eine leistungsstarke Truppe aufgestellt und sind der Zeit voraus, was nicht zuletzt der Maschinentechnik von Manfred Hoffmann geschuldet ist“, unterstreicht Gerhard Mötzung. Dabei konnte das Unternehmen durch Erfahrung überzeugen. „Mein Vater hat relativ schnell erkannt, dass es nicht bei Dumpern und Baggern bleiben wird, und darum Raupen in der Größenordnung einer Cat D8T für den Einsatz empfohlen, weil nur so ein Masseneinbau in kurzer Zeit gewährleistet ist“, berichtet Barbara Hoffmann.

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Klaus Finzel
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